Heilsame Erfahrungen

In der Buddhistischen Lehre gibt es die Idee der heilsamen und der unheilsamen Geisteszustände. Diese sind wie die innere Atmosphäre oder Haltung die wir unseren Erfahrungen gegenüber oder gar unserem Leben gegenüber einnehmen. Wir können Erfahrungen lieben, oder sie weg haben wollen, können sie ignorieren oder mit Interesse wahrnehmen.

Haben wir eine Krankheit oder Schmerzen, können wir mit Ärger und Wut reagieren, oder mit Liebe, Mitgefühl und Annahme.

Natürlich erscheint es besser, mit letzteren, mit heilsamen Haltungen zu reagieren und in der buddhistischen Lehre werden deshalb diese Haltungen oft regelrecht eingeübt. Aber wenn wir ehrlich sind, reagieren die meisten von uns unwillkürlich mit Ärger oder Wut, also mit den unheilsamen Haltungen.

Fred von Allmen, Meditationslehrer in Beatenberg, hat dazu folgendes Beispiel gebracht: „Wir können einem Kind immer wieder sagen, dass es sich am heißen Ofen die Finger verbrennt. Doch erst wenn es die Erfahrung macht, dass es weh tut, dann wird es nie wieder freiwillig hinfassen“. Die Erfahrung wirkt also verändernd, nicht das Wissen.

Wir können also immer wieder üben und überzeugt sein, dass heilsame innere Haltungen unser Leben, unsere Situation verbessern, aber ohne die bewusste Erfahrung wird sich die innere Haltung nicht verändern… Deshalb ist es wichtig, unangenehme Erfahrungen mit Interesse zu erforschen. Wie reagiere ich auf Schmerzen und wie wirkt diese Reaktion auf mich? Machen Wut und Ärger die Situation besser oder schlechter? Und wie fühlt sich das an?

Wir müssen uns sozusagen „die Finger verbrennen“ und das so oft, bis wir unser unheilsames Verhalten verstehen und unsere innere Haltung zur Situation verändern. Wenn wir merken, was diese Haltung mit mir macht, dann lasse ich sie irgendwann mal von alleine. Aber unser altes System benötigt mehrere Erfahrungen von „sich die Finger verbrennen“, um zu lernen.

Unsere Erfahrungen im transpersonalen Atmen lassen uns intensiv unsere oft unheilsamen inneren, alten Strukturen erleben und erkennen. Mit Annahme und Achtsamkeit können wir sie erforschen, um uns im besten Fall „die Finger zu verbrennen“. Unsere alten Strukturen halten uns davon ab, unsere Essenz zu leben, frei zu sein. Nur wenn wir intensiv in die Erfahrung gehen, können wir sie überwinden.

Diese alten Strukturen waren früher in unserem Leben überlebenswichtig. Das ist wie wenn wir in unbekannten Situationen auch heute noch auf Funktionen unseres Stammhirns zurückgreifen und nach Fluchtwegen suchen. Wir fürchten den Säbelzahntiger, obwohl dieser schon lange ausgestorben ist. Auch unsere individuellen alten Strukturen sind heute, als erwachsene Menschen, meist überlebt, unnötig, oft destruktiv. Doch halten sich diese Strukturen mit aller Macht, so sehr, dass wir sogar wichtige, heilsame Erfahrungen vergessen können. Daher ist es so wichtig, unsere Erfahrungen, gerade im Atmen, bewusst und präsent zu erfahren und auch eine Gruppe zu haben, die unsere Erfahrungen bezeugen kann. Die Gruppe hilft uns, gerade schwierige Erfahrungen anzuschauen, in Erinnerung zu halten und heilsam zu nutzen. Bis wir es schaffen die alten Strukturen zu erkennen, ihre Destruktivität zu erfahren und immer mehr von alleine davon loslassen. Immer mehr anfangen, unsere Essenz zu leben.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert