Das Leben ist Veränderung. OK, also sollten wir doch eigentlich darauf vorbereitet sein. Bei den vielen kleinen Veränderungen sind wir das wohl auch, aber manchmal kündigen sich Umwälzungen in unserem Leben an, Veränderungen, die uns Angst machen.
Manchmal sind diese Veränderungen negativ (Jobverlust, Trennung, Sterbefälle…), manchmal aber auch positiv (Neue Beziehung, ein Umzug, ein neues Jobangebot…). Interessanterweise macht letzteres die Sache nicht einfacher, eher sogar schwieriger, weil Außenstehende nicht verstehen können, dass wir uns sperren, das wir Angst haben.
Das es solche Zeiten in unserem Leben gibt, davon erzählen fast alle alten Märchen, Sagen und Mythen. Auch in unserer heutigen Literatur finden sich solche Geschichten. Joseph Campell nennt diese Geschichten „Heldenreisen“. Sie folgen grob immer dem selben Muster: Es gibt einen „Ruf“, eine „Schwelle“, den Aufbruch mit Prüfungen und Hilfen, und am Ende die Rückkehr.
Und Vieles hängt davon ab, ob wir dem Ruf folgen und ob wir die Schwelle mutig überschreiten.
Der Ruf
Wir können den Ruf auch einfach überhören… Dann fängt die Reise gar nicht erst an. Der Prinz liegt weiter im weichen Bett und die Prinzessin bleibt beim Drachen… Keine Hochzeit, kein Happy End. Und Niemand wird je wissen, was hätte werden können. Der Ruf wurde überhört und die Chance vertan. Um etwas moderner zu werden: Der neue Job ist an jemand Anderen gegangen, die neue Beziehung geht auseinander, weil ich mich nicht eingelassen habe, statt einen neuen Job zu finden bin ich im Selbstmitleid versunken. Wenn ich den „Ruf“ höre, werde ich aufgefordert eine Entscheidung zu treffen, von der ich nicht weis, ob sie Richtig oder falsch sein wird. Ein Horror für Alle, die gerne alles unter Kontrolle haben. Und dann stehe ich vor der Schwelle los zugehen. An dieser Schwelle werde ich geprüft. Alle meine Ängste kommen hoch, der Chor der inneren Stimmen meldet sich, auch solche, die ich schon lange nicht mehr gehört habe. Bedenken kommen auf und Verharmlosungen der Situation in der ich gerade bin. All dies sind die Schwellenhüter, meine inneren Dämonen die mich prüfen, ob ich wirklich den Mut habe den ich benötige um über die Schwelle zu gehen. Um den anstehenden Schritt wirklich zu gehen, mit vollem Herzen und nicht nur halbherzig.
Was hilft mir?
Bin ich gewillt dem Ruf zu folgen, über die Schwelle zu treten, darf ich mich nicht verkriechen, den Kopf vor den Schwellenhütern nicht einziehen. Also gilt es hin zuschauen. Achtsam und wach die inneren Dämonen zu sehen, zu befragen und sie anzunehmen. Es ist wie der Sprung vom Sprungbrett: Wenn ich die Angst annehme, dann kann ich selbst springen. Und so, wie sich die Angst in Euphorie verändern kann, so verändern sich häufig die Schwellendämonen in Hilfreiche Geister auf meinen Weg.