Zweifel – Was erwarte ich?

Ob in meiner spirituelen Praxis oder in einer Therapie, irgendwann kommt wohl jedem mal Zweifel daran, ob das, was er da tut, sinnvoll ist. Zweifel können sehr hartnäckig sein, blockierend und destruktiv.

Wenn sie da sind zeigen Zweifel mir, dass ich vom Weg abkomme. Vielleicht weil ich nicht mehr weis warum ich das Ganze mache. Vielleicht reicht es schon sich wieder daran zu erinnern. Aber möglich ist auch, dass ich ganz subtil die Verantwortung für  meine Heilung oder Befreiung abgegeben habe.

Was erwarte ich eigentlich?

Mit den Zweifeln kommt oft Enttäuschung, sogar Wut. Auf wen? Habe ich von meiner Praxis mehr erwartet? Habe ich gehofft eine Therapie würde alle Probleme beseitigen?

Am Anfang ging es vielleicht vielversprechend los, aber jetzt: beim Meditieren kommen immer die selben blöden Gedanken, in der Therapie kreise ich immer wieder um den selben Schmerz, ich bete, aber Gott scheint nicht zu antworten… Ich kann dem Zweifel recht geben und trotzig aufgeben, oder ich kann hinschauen, versuchen den Zweifel zum Thema zu machen, den Zweifel zu verstehen.

Oft steckt dahinter, dass ich Erwartungen habe/hatte, die nicht erfüllt wurden. Und meine Unzufriedenheit projeziere ich dann auf Andere. Mein Therapeut, mein spiritueller Lehrer, mein Meister oder sogar Gott, sie haben mir nicht gegeben was ich brauche, haben mich nicht geheilt, mich nicht befreit, mich nicht erleuchtet. Wenn das meine Gedanken sind (falls sich so ehrlich bin, mir das einzugestehen), dann habe ich die Verantwortung für meine Heilung oder Befreiung abgegeben. Abgegeben an einen Anderen.

Aber so funktioniert das nicht, so verführerisch es auch ist. Ich komme nicht darum herum die Verantwortung für meine Heilung und Befreiung selbst zu übernehmen. Nicht ein Therapeut heilt mich, er untersützt mich nur dabei mich selbst zu heilen. Nicht er kann die Arbeit machen, das muß schon ich selbst erledigen. Und mit einem spirituellen Lehrer oder sogar Gott ist es ähnlich.

Was ich nun brauche ist Mut, meine Verantwortung wieder zu mir zu holen. Zu sehen, was ich da mache, wie ich mich blockiere. Meist entdecke ich eine große Angst. Wenn ich weiter gehen will, muss ich mich dieser Angst stellen. Und dazu brauche ich Vertrauen. Das Vertrauen, dass mein Weg sinnvoll ist, so wie er gerade sich gestaltet. Vertrauen in eine höhere Kraft die mich unterstützt. Dann können sich Angst und Zweifel verwandeln in Mitgefühl.

 

 

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