Falsche Befreiung

Eigentlich mag ich die Kategorien „falsch“ und „richtig“ im Rahmen dieses Blogs nicht. Zu oft werden mit diesen Bezeichnungen regelrechte Kriege in der spirituellen Szene ausgetragen.

Andererseits gibt es diese kleinen Fallen…In meinem letzten Meditationsretreat gab es mal wieder diesen Moment, in dem ich dachte: „So könnte es doch bleiben“. In mir war Ruhe und dieses glückselige Gefühl dem Stress des Alltags entflohen zu sein. Meine Gedanken kamen zur Ruhe, der Geschmack der Befreiung war wahrnehmbar. Freiheit! Frei von störenden Gefühlen, frei von störenden Gedanken, Stille…

Keine Kunst, hier im Retreat, in den Bergen bei schönstem Wetter. Wo ich mich um nichts kümmern muss. Mein ganzes Leben könnte doch so sein. Und dann begriff ich, dass ich in eine Falle tappe: wenn ich am „befreiten Zustand“ anhafte, ihn nicht mehr gehen lassen will, dann bin ich gerade eben nicht frei! Mir wurde nochmal deutlich klar, es geht nicht um die Befreiung von unserem Leid, sondern inmitten unseres Leids, befreien uns nicht vom Alltag, sondern inmitten unseres Alltags.

Das ist es, woraus es ankommt. Wenn Spiritualität nicht im Alltag Früchte trägt, sollte ich Mönch werden, oder es sein lassen…

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