Das beschäftigt mich gerade immer wieder: So wichtig ich es finde die Schatten, die Angst, das Unangenehme zu erforschen und nicht zu ignorieren, kann das nicht auch zu einer Falle werden? Kann es nicht auch passieren, dass ich vor lauter Konzentration auf die Schatten das Licht nicht mehr sehe?
Sind Menschen, die seit Jahren durch ihre Schmerzen, ihre alten Geschichten gehen, die leiden und kurz vor der Verzweiflung stehen wirklich auf einem guten Weg? Fehlt da nicht auch die Hoffnung, das Licht?
Ich habe noch keine „richtige Antwort“ darauf.
Im Buddhismus finde ich die Lehre von den vier edelen Wahrheiten, die Lehre von der Anhaftung. Das merkwürdige ist, wir haften an gewohntem an, auch wenn das Schwierig ist. Ich kann auch an meinen Schatten anhaften, denn die Gewohnheit gibt mir ein Gefühl von Sicherheit. Lieber bleibe ich in meinen destruktiven Verhaltensweisen, darin kenne ich mich aus, statt das ich mich auf ungewohntes Gelände bewege. Ich denke das ist oft die Geschichte die in therapeutischen Begegnungen erzählt wird. Wenn ich dann noch Lob für mein mutiges „mich den Schatten stellen“ erhalte, kann das auch zu einer Anhaftung führen. Anerkennung für mein Leiden statt „banales und unauffälliges Glücklichsein“.
Und da gibt es im Buddhismus die Idee der Pflege heilsamer Geistesqualitäten. Das Neue, Heilsame stärken in dem ich bestimmte Geistesqualitäten immer wieder übe. Ich habe diese Qualitäten mal recht frei so zusammengefasst:
- Vertrauen
- Auf mein Gewissen hören
- Loslassen
- Klarheit
- Freude
- Flexibilität
- Sorgfalt
- Gleichmut
- Friedlichkeit
Diese Qualitäten sollten regelmäßig und bewusst geübt werden, um eine heilsame Qualität zu erreichen.
Es gibt also zwei Seiten die in einer Balance stehen sollten. Ich kann mich freundlich, vertrauensvoll… meinen Schatten stellen. Und so meine Schatten mit dem Licht erhellen. OSHO sagte mal „der beste Weg die Schatten zu bekämpfen ist es, ein Licht anzuzünden“. Die heilsamen Geistesqualitäten sind das Licht, das ich selbst anzünden kann, um die Schatten zu erhellen.