Ordnung schaffen– eine spirituelle Praxis?

Ich habe mich eine Zeitlang dagegen gewehrt, wenn ich gelesen habe, wie wichtig für eine eigene Spiritualität Ordnung im Äußeren ist. Wie spießig… Ich selbst bin ein etwas chaotischer Mensch, lasse immer wieder Unordnung zu und brauche dann viel Zeit wieder aufzuräumen. Das ist für mich eine tägliche, lästige Pflicht.

Aber vor kurzem habe ich selbst erlebt, was damit gemeint ist, „Ordnung zu schaffen“.

Ich hatte eine schwere Zeit. Krankheit, Trauer, depressive Anwandlungen… In meinem Inneren war alles in Unordnung und um mich herum auch. Die Kraft meine Wohnung in Ordnung zu halten fehlte einfach, ich funktionierte nur auf niedrigem Niveau.

Als es mir wieder gesundheitlich besser ging, war zwar wieder die Kraft da, aber dennoch hatte ich Beschwerden aller Art und ein riesiges Chaos vor allem in mir. In mir aufzuräumen… ich wusste nicht wo ich anfangen sollte. Aber im Äußeren aufzuräumen, das war nicht nur notwendig, es war auch möglich. Also begann ich langsam, Schritt für Schritt, meine Wohnung wieder in Schuß zu bringen und dabei auch Vieles, was schon lange liegen geblieben war, anzugehen. Und parallel zum Äußeren aufräumen klärte sich auf im Inneren das Chaos. Als die Wohnung wieder in Ordnung war, merkte ich, dass es noch weitere „Baustellen“ gab. Da gab es Dinge in meiner Arbeit, die in Unordnung waren, in meinen Beziehungen, in meinen Projekten. Und ich sah auch, wie sich diese Unordnung destruktiv auswirkte. Stress der allein dadurch entstand, dass ich Dinge hatte schleifen lassen. Also machte ich mich auch da daran, aufzuräumen. Und zugleich mit dem Ordnung schaffen ging es mir auch innerlich besser.

Nun merke ich, dass wenn ich innerlich unklar werde und nicht weis, wie ich zu Klarheit kommen kann, ich erst einmal schaue, wo im Äußeren Unklarheit herrscht und wie ich da Ordnung schaffen kann. Und ich sehe den Zusammenhang von äußerem Aufräumen und innerer Arbeit.

Ordnung schaffen ist eine innere Arbeit, jetzt weis ich es, jetzt schätze ich es.

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