Die Sache mit dem Loslassen ist sicher eine der am häufigsten mißverstandenen Ideen innerhalb der Spiritualität.
„Du hast Angst? Einfach loslassen. Du bist depressiv? Warum kannst Du denn nicht loslassen?“ Nicht nur dass es mir schlecht geht, jetzt soll ich auch noch etwas leisten…
Nun, loslassen ist eigentlich das Gegenteil von „etwas Leisten“, aber vor allem ist es manchmal die falsche Richtung. Manchmal ist nicht „Loslassen“ die richtige Antwort, sondern „Annehmen“. Wenn ich das verwechsele, dann versuche ich nicht nur das Unmögliche, ich gehe sogar den falschen Weg! Die Sache ist dabei eigentlich ganz einfach:
Wenn es um etwas geht, das im Vergangenen liegt oder ins Vergangene geht und wenn etwas angenehm ist, dann ist meist Loslassen dran.
Wenn es aber um etwas unangenehmes geht und um Dinge die Jetzt und in der Zukunft liegen, dann ist meistens Annehmen dran.
Oder anders ausgedrückt: Wenn ich leide, weil ich etwas zu verlieren drohe oder etwas nicht mehr da ist, was ich aber gerne hätte, dann hilft mir die Idee des Loslassens dabei zu sehen, ob ich noch weiter darum kämpfen kann oder will.
Wenn ich leide, weil etwas in meinem Leben so ist, dass ich es gerne weg haben möchte, weil es mich ängstigt oder stört oder belastet. Dann wäre Loslassen nur genau das, was ich eigentlich eh schon will, was aber nicht klappt. Hilfreich ist dann zu schauen, ob ich das, was ich gerne weg haben möchte, annehmen kann, wirklich in mein Herz aufnehmen kann.
Angst oder Depression, eine ausweglose Situation oder Krankheit… All das kann ich nur annehmen, nicht loslassen. Und das bedeutet nicht, dass diese Gefühle, diese Situation dadurch verschwindet! Ich mache es mir nur nicht noch schwerer als es eh schon ist. Ich vermeide unnötiges zusätzliches Leid.