Was bedeutet Befreiung?

Befreiung ist eines der Ziele einer spirituellen Arbeit. Für mich ist es das Ziel, mir ist aber bewusst, dass es ein langer Prozess sein wird, dieses Ziel zu erreichen. Was stelle ich mir unter dem „befreiten Zustand“ vor?

Befreit bedeutet nicht, frei von äußeren Problemen zu sein, sondern frei in meinen Reaktionen auf die Herausforderungen des Lebens. Die Grundannahme ist dabei, dass es ein normaler Begleitumstand des Lebens ist mit Schwierigkeiten aller Art umgehen zu müssen. Die größten Herausforderungen sind dabei Krankheit, Altern und das Bewusstsein des eigenen Todes, aber auch die Angst vor dem Verrückt werden und starke emotionale Zustände, Gewalterfahrungen, Ungerechtigkeiten, Mangelerfahrungen…

Diese äußeren Bedingungen können wir nur bedingt beeinflussen. Was wir aber beeinflussen können, ist unsere Reaktion auf diese äußeren Bedingungen. Unsere Reaktion hat das Potential die Erfahrungen zu verschlimmern, oder aber auf eine heilsame Weise damit umzugehen.

Wie lässt sich ein „befreiter Zustand“ beschreiben?

  • Ich bin frei, wenn ich in einer herausfordernden Situation handeln kann, ohne das alte Muster meine Reaktionen bestimmen
  • Wenn ich achtsam bin, die Folgen abschätzen und meine Handlungen frei von der Meinung Anderer oder frei von alten Verletzungen wähle
  • Wenn ich Mitgefühl als grundlegende Empathie entwickelt habe, die die Bedürfnisse Anderer genauso wertschätzt, wie meine eigenen
  • Wenn ich selbstverantwortlich, erwachsen lebe, die „Schuld“ für meine Handlungen nicht auf Andere abwälze (oder auf Anderes, z.b. „Sachzwänge“)

Die Transpersonale Psychotherapie bietet Methoden an, um heilsame Reaktionen zu verstärken und unheilsame zu reduzieren. Dabei gibt es zwei Ebenen. Die eine Ebene sind die „üblichen“ unheilsamen Geisteszustände die unseren Geist trüben. Unachtsamkeit, Schläfigkeit, Ablenkungen bis hin zur Sucht. Diese Geisteszustände bewirken, dass wir nicht „Herr“ unserer Reaktionen auf die äußeren Umstände sind und oft in unheilsame, also verschlimmernde, Verhaltensweisen verfallen. Zum Umgang dieser Zustände bietet die buddhistische Tradition von Meditation sehr hilfreiche Mittel an.

Schwieriger wird es mit der zweiten Ebene, die der tieferen emotionalen Strukturen. Hier finden sich alte Verletzungen und Muster, alte Emotionen die uns Jahre nach den zu Grunde liegenden Ereignissen plötzlich einholen. Ihre Grundlage haben diese Strukturen in Zeiten, in denen wir psychisch nicht in der Lage waren heilsam auf die äußeren Bedingungen zu reagieren, meist aus der eigenen Kindheit, aber auch aus pränatalen Erlebnissen, Erlebnissen in der Pubertät und Traumata. Für die Bearbeitung, Befreiung von diesen Mustern reichen die reinen meditativen Techniken nicht mehr aus, hier helfen Methoden aus der westlichen Psychotherapie und tiefergehende Techniken wie das transpersonale Atmen.

Während es für die erste Ebene nicht unbedingt therapeutische Unterstützung braucht (wohl aber ev. einen Lehrer), ist für die zweite Ebene und auch für die Unterscheidung der beiden Ebenen therapeutische Hilfe oft nötig.

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