Ich würde ja gerne meditieren, aber… (Teil 1)

Mit Meditation scheint es wie mit richtiger Ernährung zu sein. Viele kennen sie, ahnen das es gut für sie wäre, schaffen es dann nicht und haben irgendwie ein schlechtes Gewissen dabei.

Wenn es mit dem regelmäßigen Meditieren so einfach nicht klappen will, dann sind wahrscheinlich innere Widerstände am Werk. Und diese Widerstände sollten als wichtige Hinweise verstanden werden, denn sie verweisen oft auf Unklarheiten oder falsche Vorstellungen in Bezug auf Meditation hin. Unberechtigt sind die Widerstände selten.

„Klagen“

Typische „Klagen“ die von Menschen zu hören sind, die es nicht schaffen regelmäßig zu meditieren, sind:

  • Ich finde die Zeit zum Meditieren nicht
  • Ich bin zu unruhig
  • Ich habe keinen Platz zu meditieren oder der Platz ist zu voll, zu unruhig, zu…
  • Bei mir ist es zu laut
  • Ich werde ständig gestört
  • Ich bin oft zu müde

Einige dieser „Hinderungsgründe“ haben mit ungünstigen Vorstellungen über Meditation zu tun, andere damit, dass ev. äußere Umstände verändert werden müssten. Doch dass der Widerstand gegen die Meditation sich auf die Meditation selbst bezieht ist selten. Meditation ist ein eigentlich natürlicher Zustand. Manche Meister sagen, es wäre unser natürlicher Zustand, nur wir sind so sehr „kultiviert“, dass wir ihn verloren haben, dass er verdeckt ist unter unserem Alltagsdenken. Da wir schon so weit von diesem Zustand der Meditation entfernt sind, brauchen wir etwas Paradoxes: Wir müssen uns bemühen um in einen Zustand zu kommen, in dem wir das Bemühen loslassen (können). Wie beim Einführen einer jeden neuen Gewohnheit und beim loslassen unguter Gewohnheiten, auch eine regelmäßige Meditationspraxis einzuführen benötigt einen klaren Entschluss und ein wenig Selbstdisziplin um zu starten. Mit der regelmäßigen Praxis wird es dann immer leichter.

Aber schon dieser Entschluss kann die Ursache sein für die Widerstände, die dann auftauchen. Es scheint mir deshalb wichtig, zunächst einmal zu klären, warum ich eigentlich meditieren will.

Warum will ich meditieren?

Die ursprüngliche Motivation für Meditation waren spirituelle Gründe. Diese sind in den westlichen Kulturen zunehmend um andere, nicht spirituelle Gründe ergänzt worden.

Die spirituelle Motivation ist die Erleuchtung, oder zumindest die „Befreiung des Geistes“. In der westlichen Kultur sind diese Ziele keine kultureigenen Inhalte. Somit gibt es da auch immer wieder große Missverständnisse. Was erwarte ich zum Beispiel von einer „Erleuchtung“ und wieso will ich diese erreichen? Hier schleicht sich schnell ein „spirituelles Ego“ ein, ich will die Erleuchtung um etwas besseres zu sein, mich von Anderen abzuheben. Diese Motivation ist sicher eine Falle und Widerstände die sich zeigen scheinen mir berechtigt.

Ebenfalls in den Bereich der spirituellen Motivation gehört es, wenn ich meditiere, weil es zu meiner gewählten spirituellen Ausrichtung einfach dazugehört (als Schüler eines indischen Meisters, oder weil ich Buddhist bin). Das ist aber meist eine ungenügende Motivation und bietet Raum für viele Unklarheiten.

Zunehmend kommen gesundheitliche Gründe. Achtsamkeitstrainings werden zur Behandlung von psychischen und psychosomatischen Störungen und gegen Stress „verschrieben“. Meditation ist dann ein Mittel um Heilung zu erreichen. Das führt oft zu einem subtilen „Ich muss oder müsste Meditieren“. Widerstände sind dann genauso verständlich wie bei der Forderung regelmäßig eine bittere Medizin einzunehmen.

Zuletzt gibt es Menschen, die haben Meditation in einem geschützten Rahmen erfahren (in einem Retreat oder einem Seminar) und schaffen es nicht (obwohl sie wollen) diese Erfahrung in den Alltag zu integrieren. Wenn nicht noch zusätzlich andere Widerstände vorhanden sind, ist das „Problem“ oft mit wenigen Praxistipps zu beheben oder durch den Kontakt zu Anderen, die helfen können, typische Phänomene der Meditation zu verstehen.

Die Falle des „Leistungsmeditierens“

Wir leben in einer Leistungsgesellschaft und deren Ideale haben wir tief verinnerlicht. Dazu gehört es auch, dass wir gerne Sachen „richtig“, „perfekt“ oder „besonders gut“ machen. Ist es verwunderlich, dass wir da auch an die Meditation so herangehen? Wir kaufen das „richtige Kissen“, schaffen uns „den richtigen Platz“… Selbst in Ratgebern zur Meditation habe ich schon solche Aussagen gelesen. Und worin kann das enden? Wir stellen uns vor, dass es eine „richtige Meditation“ gibt und verurteilen uns dafür, wenn wir es so nicht machen. Meditieren wird zu einer Leistung, zu einem „ich muß“. Dann quäle ich mich stundenlang, versuche der „perfekte Meditierer“ zu sein… und merke nicht, wie ich am wesentlichen vorbei gehe. Meditation sollte nichts mit Anstrengung zu tun haben. Aber vielleicht gehört es in unserer Kultur zu einem notwendigen Schritt, genau durch diese Erfahrung hindurchzugehen und das Leistungsmuster zu erkennen. Und Meditation ist kein Selbstzweck, sondern eine Übung.

„Meditation ist keine Olympiade“ – und dennoch gibt es, gerade in sehr strengen Retreats, das Phänomen der „Marathon-Meditierer“. Sie sollte man sich nicht als Vorbild wählen.

Neben einer unklaren Motivation sind falsche oder ungünstige Vorstellungen über Meditation ein Grund dafür, dass es mit der regelmäßigen Meditation nicht klappt. Der erste Schritt in die Meditation wäre nämlich eventuell, sich in der Meditation mit den Widerständen zu beschäftigen. Aber ist das dann Meditation?

Was ist eigentlich Meditation?

Dazu gibt es viele Ansichten, manche davon etwas widersprüchlich. Es gibt Meditationsanleitungen, die in die „eigentliche Meditation“ einführen sollen.

Versuchen ich also mal ein wenig zu sortieren.

Aus Buddhistischer Sicht ist Meditation eine Geistesschulung. Buddha beschrieb den Zustand der Meditation als „Wenn ich sitze, dann weis ich das ich sitze, wenn ich laufe, dann weis ich das ich laufe…“. Der Msytiker OSHO beschreibt Meditation als den Zustand des „No Mind“, also einen Zustand der inneren Stille, in dem der stets unruhige Geist zur Seite tritt. Und gleichzeitig hat er Meditationsanleitungen geschaffen, in denen es erst einmal darum geht, unseren Geist dazu zu bekommen, dass er überhaupt bereit ist, in den Stand des „No Mind“ zu kommen. Mario Mantese (Meister M) aus der Schweiz lehnt den Begriff „Meditation“ ab und bezeichnet es als „in die Stille gehen“.

So unterschiedlich das erst einmal klingt, es gibt einige Gemeinsamkeiten. So spricht OSHO davon, die Stille hinter den Worten, Geräuschen wahrzunehmen, und bei buddhistischen Erkenntnismeditation kann ich in Stille sein und den Lärm der Welt beobachten.

Was zeigt uns das? Eines der häufigsten Missverständnisse über Meditation ist, dass ich nur dann richtig meditiere, wenn ich ruhig werde, oder dass es ruhig sein muss, um meditieren zu können. Viele Menschen sind schockiert, dass sie unruhig werden, wenn sie sich zur Meditation hinsetzen, begreifen dies als Versagen und geben auf.

Dabei ist es sehr wahrscheinlich, dass eine der ersten Erkenntnisse, die ich in der Meditation habe, zu erkennen, wie unruhig ich bin, wie unruhig mein Leben ist. Und es benötigt wahrscheinlich ein gewisses Maß an Mut, sich diesen Erkenntnissen zu stellen.

Das ist wohl das Merkwürdige der Meditation: Ich muss mich erst einmal meinem unruhigen Geist stellen, um in die Stille zu kommen. Der erste Schritt ist also, meine Motivation zu klären und einen beobachtenden Geist zu schulen.

Und die erste „Meditation“ wenn „es nicht klappt“ besteht darin, meine Widerstände zu erforschen. Dazu muss ich auch nicht auf einem Kissen sitzen. Da reicht oft schon ein kurzes, bewusstes wahrnehmen, dass da Widerstand ist und die Frage „was will mir dieser Widerstand sagen“?

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