Klarheit oder Härte?

Am Ende eines intensiven Seminars kommt eine der Teilnehmerinnen auf Sie zu und startet mit dem Satz „Du, ich muss Dir noch was sagen was mich sehr beschäftigt. Ich wusste erst nicht, ob ich es sagen kann, aber ich will ja authentisch und klar sein, deshalb sage ich es jetzt ohne Umschweife. Ich finde Du hast da was gemacht, das finde ich nicht in Ordnung. Du hast mich nicht ernst genommen als Du …“

Du sitzt da und hörst Dir diesen Redestrom an und merkst erst hinterher, dass Du wütend bist. Aber was Du schätzt ist doch die Klarheit und Authentizität der Teilnehmerin… Weiterlesen

Ordnung schaffen– eine spirituelle Praxis?

Ich habe mich eine Zeitlang dagegen gewehrt, wenn ich gelesen habe, wie wichtig für eine eigene Spiritualität Ordnung im Äußeren ist. Wie spießig… Ich selbst bin ein etwas chaotischer Mensch, lasse immer wieder Unordnung zu und brauche dann viel Zeit wieder aufzuräumen. Das ist für mich eine tägliche, lästige Pflicht.

Aber vor kurzem habe ich selbst erlebt, was damit gemeint ist, „Ordnung zu schaffen“. Weiterlesen

Zuflucht nehmen, die tägliche Erinnerung an die eigene Praxis

Manche meinen, die sogenannte „Zuflucht“ wäre das buddhistische Glaubenbekenntnis. Ich bin kein Buddhist, und trotzdem nutze ich die tägliche Zuflucht. Als „Glaubenbekenntnis“ verstehe ich sie nicht, aber als Erinnerung an meine tägliche Praxis und als Motivation.

Traditionell besteht die Zuflucht aus drei Teilen und lautet zum Beispiel wie folgt:

Ich nehme Zuflucht zum Buddha
Ich nehme Zuflucht zum Dharma
Ich nehme Zuflucht zur Sangha

Eventuell wird die Zuflucht dann ergänzt um die Motivation:

Das ich die vollständige Befreiung erlange

Oder sogar um die altruistische Motivation:

Das ich die vollständige Befreiung erlange,
zum Wohle Aller

Meine eigene Zufluchtsformel lautet anders, hat aber die gleichen Teile. Warum mache ich das und was bedeutet es für mich? Und warum empfehle ich das auch Anderen? Weiterlesen

Annehmen und Loslassen

Die Sache mit dem Loslassen ist sicher eine der am häufigsten mißverstandenen Ideen innerhalb der Spiritualität.
„Du hast Angst? Einfach loslassen. Du bist depressiv? Warum kannst Du denn nicht loslassen?“ Nicht nur dass es mir schlecht geht, jetzt soll ich auch noch etwas leisten…

Nun, loslassen ist eigentlich das Gegenteil von „etwas Leisten“, aber vor allem ist es manchmal die falsche Richtung. Manchmal ist nicht „Loslassen“ die richtige Antwort, sondern „Annehmen“. Wenn ich das verwechsele, dann versuche ich nicht nur das Unmögliche, ich gehe sogar den falschen Weg! Die Sache ist dabei eigentlich ganz einfach: Weiterlesen

Schreib mal was zu… Intuition (Teil 2/2)

Intuitiv zu leben ist kein Pipifax! Zwischen Kontrolle und Intuition, Verstand und Herz

Zu einem intuitiven Leben zu kommen ist nicht einfach, weil Intuition mich nicht von der Verantwortung befreit. Von der Verantwortung dafür, den Impulsen zu folgen, und auch nicht von der Verantwortung für die Folgen meiner intuitiven Handlungen. Es gibt Menschen, die nutzen den Hinweis auf ihre Intuition gerade zum Ablehnen ihrer Verantwortung. Die Verantwortung liegt dann im „höheres Wissen“. Diesem Verständnis folge ich nicht. Ich kann mir nie sicher sein, ob ein Impuls intuitiv ist, oder ein Teil meiner Muster. Es braucht da eine hohe Aufmerksamkeit. In diesem Sinne verstanden ein Zitat: Weiterlesen

Schreib mal was zu… Intuition (Teil 1/2)

Intuition… was soll man dazu schreiben? Intuition hat für mich eher etwas mit einem Fühlen zu tun…

Wie fühlt es sich an, wenn die Intuition die Szene beherrscht? Am reinsten erlebe ich das beim Malen. Es ist ein Zustand der klar im HierJetzt ist. Da ist kein Denken und Planen, was ja beim Malen durchaus auch vorkommt. Da ist kein Ziel, da ist nur Linie, Farbe, Form. Das Ganze ist nicht planlos, chaotisch. Es gibt Vorgaben (das Papier, das, was schon auf dem Papier ist), aber anstelle eines klaren Ziels ist da eine Richtung im HierJetzt, in die es sich entwickelt und die ich auch beeinflussen kann. Weiterlesen

Von richtigen und falschen Meistern, Lehrern oder Gurus

Eine Geschichte:

Ein selbsternannter Meister zog mit einer Schar Schüler durch das Land. Einer der Schüler, er war vielleicht etwas einfältig, vertraute diesem Meister bedingungslos. Der Meister, geschmeichelt von dieser Hingabe, ernannte ihn zu seinem Lieblingsschüler, was wiederum die anderen Schüler ärgerte. Sie beschlossen, dass sie diesen Konkurenten loswerden wollten.

Als Sie eines Tages an einer Schlucht vorbei kamen, sprachen Sie zu dem Lieblingsschüler: „Unser Meister meint, du wärest in der Lage in diese Schlucht zu springen ohne Schaden zu nehmen. Wenn du wirklich so voller Vertrauen bist in die Fähigkeiten unseres Meisters, dann wirst Du auch ohne Angst in diese Schlucht springen“. Die Schlucht war tief und hineinzuspringen wäre sicher tödlich. So dachten sie, sie würden den Lieblingsschüler loswerden. Weiterlesen

Loslassen…

Ein Gedankenexperiment:

Stell Dir vor, Du hast einen dieser schönen, filigranen Samen aus der Luft gefangen, wie sie im Sommer und Herbst oft umher fliegen, wie kleine Fallschirme oder als zartes, verästeltes und leichtes Büschel. Weich, wunderschön anzusehen.

Du hast diesen Samen auf deine Hand genommen und nun hältst Du ihn vorsichtig mit denen Fingern umschlungen, so dass er nicht weg fliegen kann.

Schau ihn dir genau an. Intensiv. Kannst Du sehen wie schön er ist, wie wundervoll, wie einzigartig. Kannst Du spüren wie schön es ist diesen Samen anzuschauen? Ganz in der Betrachtung vertieft zu sein? Kannst Du fühlen wie viel Glück davon ausgeht?

Genieße es!

Und nun stell Dir vor, was passieren würde, wenn der Same weg fliegt. Weiterlesen

Ein neues Jahr – jeden Tag ein neuer Anfang

Eine sehr schöne buddhistische Tradition ist die Ausrichtung und Motivation an jedem Morgen oder zu Beginn eines jeden neuen Abschnitts oder einer neuen Tätigkeit. Sie ist Teil einer Dreierfolge, des „Gutem am Anfang, des Gutem in der Mitte und des Gutem am Ende“. Mit Gutem ist dabei im groben das gemeint, was ich an heilsamen Energien in der Welt verwirklichen will.

Das Gute am Anfang, die Ausrichtung und Motivation wird „Zuflucht“ genannt. Diese jeden Morgen zu bedenken, vor einer neuen Arbeit oder eben am Anfang des Jahres hilft mir, meiner Motivation im klaren zu bleiben. Das Gute in der Mitte ist die tägliche Umsetzung, Praxis und das Gute am Ende die Wertschätzung der eigenen Praxis und der Umstände, die sie mir ermöglichen

Für dieses Jahr, für diesen Tag möchte ich euch dazu ein Gedicht eines tibetischen Lamas über die Zufluchtnahme hier zitieren. Weiterlesen

Zweifel – Was erwarte ich?

Ob in meiner spirituelen Praxis oder in einer Therapie, irgendwann kommt wohl jedem mal Zweifel daran, ob das, was er da tut, sinnvoll ist. Zweifel können sehr hartnäckig sein, blockierend und destruktiv.

Wenn sie da sind zeigen Zweifel mir, dass ich vom Weg abkomme. Vielleicht weil ich nicht mehr weis warum ich das Ganze mache. Vielleicht reicht es schon sich wieder daran zu erinnern. Aber möglich ist auch, dass ich ganz subtil die Verantwortung für  meine Heilung oder Befreiung abgegeben habe.

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